Neues Schlaflabor im St. Marienhospital Vechta
Vechta. Im St. Marienhospital Vechta gibt es jetzt ein ambulantes Schlaflabor in der HNO-Klinik. Betrieben wird das Schlaflabor von Dr. Moulay Abderrahmane Rachidi, der eine HNO-Praxis in Garrel führt und über langjährige Erfahrung in der Schlafmedizin verfügt. Gemeinsam mit dem Chefarzt der HNO-Klinik, Dr. Knut Frese, möchte er damit eine regionale Versorgungslücke schließen. Denn in der Region sind in den vergangenen Jahren mehrere Schlaflabore weggefallen. Entsprechend groß sei der Bedarf, so Dr. Frese.
Das neue Schlaflabor ist auf Erkrankungen aus dem HNO-Bereich spezialisiert. „Wir wollen das Gefährliche vom Ungefährlichen unterscheiden“, erklärt Dr. Frese. Gerade bei Schnarchen und Atemaussetzern könne eine genaue Diagnostik wichtige Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe geben. Bei einer Schlafapnoe kommt es während des Schlafs wiederholt zu Atemaussetzern. Ursache ist häufig eine Verengung der oberen Atemwege.
„Die Schnarchgeräusche werden in den oberen Atemwegen erzeugt“, erläutert Dr. Frese. Die HNO-Klinik behandle entsprechende Ursachen bereits seit Langem – mit dem neuen Schlaflabor könne nun auch die notwendige Diagnostik direkt vor Ort erfolgen.
Am Anfang der Untersuchung steht in der Regel eine ambulante Polygraphie, die über den Hausarzt veranlasst wird. Schnarchen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit können Hinweise darauf sein, dass eine solche Untersuchung sinnvoll ist. Erst wenn sich daraus ein entsprechender Verdacht ergibt, folgt die weiterführende Untersuchung im Schlaflabor.
Das Schlaflabor startet zunächst mit zwei Messplätzen. Eine Besonderheit: Die Untersuchungen können auch am Wochenende angeboten werden. Davon profitieren insbesondere Menschen, die aufgrund ihrer Arbeitszeiten unter der Woche keine Möglichkeit haben, einen Termin wahrzunehmen. Die erste Nacht dient der Diagnostik; je nach Ergebnis können weitere Nächte zur Einstellung beziehungsweise Kontrolle einer Therapie erforderlich sein.
Eine festgestellte Schlafapnoe lässt sich auf unterschiedliche Weise behandeln. Welche Therapie infrage kommt, hängt von der individuellen Ursache und Ausprägung der Erkrankung ab. Zu den Möglichkeiten gehören unter anderem die CPAP-Schlafmaske, Schienen zur Stabilisierung der Atemwege sowie operative Verfahren. Dazu zählen beispielsweise die Straffung des Gaumensegels, die Begradigung der Nasenscheidewand oder die Entfernung vergrößerter Mandeln. Auch ein Lagesensor kann bei bestimmten Patienten eingesetzt werden: Er registriert eine längere Rückenlage und gibt Vibrationen ab, um den Patienten zu einer geeigneteren Seitenlage zu bewegen.
Die CPAP-Schlafmaske gilt dabei als Standardtherapie. Nach Angaben des Schlaflabors erhalten etwa 60 Prozent der Patienten diese Behandlung. Eine besondere Behandlungsoption gibt es für Patienten mit schweren Atemaussetzern, bei denen andere Therapien nicht ausreichend helfen: Der sogenannte Zungenschrittmacher stimuliert die Zunge gezielt, wenn Atemaussetzer auftreten. Dadurch wird die Zunge aktiviert und der Atemweg kann offengehalten werden. Es handelt sich um ein operatives Verfahren. Bislang wurden Patienten aus der Region für diese Behandlung unter anderem nach Bremen oder Hamburg vermittelt. Perspektivisch soll auch Vechta als Anlaufstelle etabliert werden. Die Implantation eines Zungenschrittmachers ist am St. Marienhospital derzeit noch neu.
Schlafprobleme und schlafbezogene Atemstörungen können grundsätzlich alle Altersgruppen betreffen. „Wir schlafen ein Drittel unseres Lebens“, betont Dr. Rachidi. Auch Übergewicht und Alkoholkonsum können Schnarchen und Atemprobleme im Schlaf begünstigen. Besonders aufmerksam sollte man bei ausgeprägter Tagesmüdigkeit werden. Für bestimmte Berufsgruppen kann eine unbehandelte Schlafapnoe zudem ein erhebliches Risiko darstellen – etwa für Berufskraftfahrer. Der gefürchtete Sekundenschlaf am Steuer kann schwerwiegende Folgen haben.
Dr. Rachidi bringt für den Aufbau des Schlaflabors umfassende Erfahrung mit. Der Somnologe hat elf Jahre in den Niederlanden gearbeitet und dort ein Schlaflabor aufgebaut. Gemeinsam mit Dr. Frese setzt er nun auf eine enge Verzahnung von HNO-Medizin und Schlafmedizin im St. Marienhospital Vechta.
Mit dem neuen Angebot steht Patienten aus Vechta und der Region damit erstmals eine ambulante schlafmedizinische Diagnostik mit besonderem Schwerpunkt auf den oberen Atemwegen direkt vor Ort zur Verfügung.
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