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Divertikel im Darm

Divertikel im Darm

Patientenvortrag mit Dr. med. Hans-Günther Hempen im St.-Josefs-Hospital Cloppenburg

Cloppenburg. In einem Patientenvortrag hat Dr. med. Hans-Günther Hempen, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Ärztlicher Direktor am St.-Josefs-Hospital Cloppenburg über Divertikel im Darm informiert.

In seinem Vortrag mit dem Titel „Divertikel im Darm – harmloser Begleiter oder tickende Zeitbombe?“ erläuterte der Mediziner, wann Divertikel behandelt werden müssen, wann Medikamente ausreichen und wann eine Operation sinnvoll ist.

Im Mittelpunkt standen die modernen, individuell abgestimmten Behandlungsmöglichkeiten der Divertikulitis – anschaulich erläutert anhand typischer Fallbeispiele aus der chirurgischen Praxis.

Divertikel im Dickdarm sind häufig und bleiben meist harmlos. Entzünden sie sich jedoch, kann eine Divertikulitis entstehen, die in seltenen Fällen auch schwere Komplikationen verursacht.

Wie häufig Divertikel auftreten, hängt insbesondere vom Alter ab. Während sie bei Menschen unter 50 Jahren bei etwa 13 Prozent vorkommen, sind bei den 50- bis 70-Jährigen bereits rund 30 Prozent betroffen. Bei den 70- bis 85-Jährigen liegt der Anteil bei etwa 50 Prozent, bei den über 85-Jährigen sogar bei rund 66 Prozent.

Damit sind Divertikel keineswegs eine seltene Erscheinung. Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen einer Divertikulose, also dem bloßen Vorhandensein von Divertikeln, und einer Divertikulitis, bei der sich diese Ausstülpungen entzünden.

Nach den im Vortrag vorgestellten Zahlen erkranken rund vier Prozent der Menschen mit Divertikeln im weiteren Verlauf an einer behandlungsbedürftigen Divertikulitis.

Die Erkrankung ist zudem von erheblicher Bedeutung für das Gesundheitswesen: In Deutschland gibt es jährlich mehr als 100.000 stationäre Behandlungen, rund 850.000 Krankenhaustage und etwa 1,3 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage im Zusammenhang mit der Erkrankung.

Eine Divertikulose verursacht häufig überhaupt keine Beschwerden und wird nicht selten zufällig bei einer Untersuchung entdeckt. Treten Symptome auf, können diese sehr unterschiedlich sein.

Typische Beschwerden sind linksseitige Unterbauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung, Durchfall und Fieber.

Insbesondere Schmerzen in Verbindung mit Fieber können auf eine Entzündung hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Eine unkomplizierte Divertikulitis lässt sich in vielen Fällen gut behandeln. Bei einem komplizierten Verlauf können jedoch ernsthafte Komplikationen entstehen. Dazu zählen insbesondere Abszessbildung, Darmdurchbruch, Bauchfellentzündung, Fistelbildung, Darmverengung und Blutungen.

Bei solchen Verläufen ist eine engmaschige medizinische Überwachung erforderlich. Je nach Ausprägung kann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig werden.

Bei einer komplizierten Divertikulitis kann eine stationäre Behandlung erforderlich sein. Je nach Krankheitsbild kommen zunächst Flüssigkeit und Medikamente über eine Infusion sowie eine gezielte Schmerztherapie infrage. Bei einem Abszess kann eine Drainage notwendig werden, um die entzündliche Flüssigkeitsansammlung abzuleiten.

In bestimmten Fällen lässt sich eine Operation nicht vermeiden. Dabei wird das entzündete beziehungsweise erkrankte Darmsegment entfernt. Ob und wann operiert wird, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Eine Operation wird im Einzelfall entschieden. 

Auch wenn sich die Entstehung von Divertikeln nicht vollständig verhindern lässt, kann ein gesunder Lebensstil das Risiko beeinflussen. Im Vortrag wurden insbesondere folgende Faktoren hervorgehoben: regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, ausgewogene Ernährung, Nichtrauchen sowie eine ausreichende Ballaststoffzufuhr.

Dabei geht es nicht um eine spezielle „Divertikel-Diät“, sondern grundsätzlich um eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung. Eine individuelle Beratung kann insbesondere bei wiederkehrenden Beschwerden sinnvoll sein.

Dr. Hempen fasste die wesentlichen Erkenntnisse seines Vortrags zusammen: Divertikel sind häufig und oft harmlos. Das Vorhandensein von Divertikeln bedeutet nicht automatisch, dass eine Erkrankung oder eine Behandlung notwendig ist. Ebenso gilt: Divertikulose ist nicht gleich Divertikulitis. Erst wenn sich ein Divertikel entzündet, spricht man von einer Divertikulitis.

Auch Antibiotika oder eine stationäre Behandlung sind bei einer unkomplizierten Divertikulitis nicht grundsätzlich erforderlich. Entscheidend ist vielmehr der individuelle Krankheitsverlauf.

Und auch die Frage nach einer Operation lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine Operation ist immer eine Einzelfallentscheidung, die gemeinsam mit dem behandelnden Arzt anhand des persönlichen Risikos und der jeweiligen Krankheitsgeschichte getroffen werden sollte.

Damit lautete die zentrale Botschaft des Patientenvortrags: Divertikel müssen nicht zwangsläufig zur „tickenden Zeitbombe“ werden. Entscheidend sind eine richtige Einordnung der Erkrankung, eine individuell angepasste Behandlung und – wenn möglich – ein gesundheitsbewusster Lebensstil.

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Daniel Meier
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