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Die besten Zukunftschancen haben regionale Krankenhausverbünde

Die besten Zukunftschancen haben regionale Krankenhausverbünde

Vom Akutkrankenhaus zum integrierten Gesundheitsdienstleister - Schwester-Euthymia-Stiftung gibt im Landtag Hannover aktuelle Einblicke

Vechta/Hannover. Unter dem Titel "Krankenhausstrukturreform – was bleibt und was kommt?" hatte die Schwester-Euthymia-Stiftung erneut Entscheider und Experten aus dem Gesundheitswesen in den Landtag Hannover eingeladen, um mit ihnen aktuelle Entwicklungen sowie Perspektiven für die Region zu erörtern.

Ulrich Pelster, Vorstandsvorsitzender der Schwester-Euthymia-Stiftung, bedankte sich zunächst bei den anwesenden Vertretern des Landes für die Antragstellung an den Transformationsfonds im Dezember 2025. Das Sozialministerium hat dort 132 Millionen Euro für die erste Bauphase des Zentralklinikums in Vechta beantragt. "Das Land hat alle seine Zusagen eingehalten", freut sich Pelster. 

Im ersten Programmpunkt der Veranstaltung ging es dann um das "Krankenhausreformänderungsgesetz und damit verbundene Veränderungen". 

Prof. Dr. Norbert Roeder, renommierter Krankenhausexperte, der unter anderem die Umsetzung der Strukturreform in NRW intensiv begleitete, gab umfassende Einblicke: "Die besten Zukunftschancen haben regionale Krankenhausverbünde wie die Schwester-Euthymia-Stiftung, sagte er: "Große Verbünde mit vielen Standorten können sehr gut gestufte Versorgungskonzepte mit Schwerpunkten an einzelnen Standorten entwickeln und umsetzen." Die Schwester-Euthymia-Stiftung habe das aufgegriffen: Sie habe nicht auf die finalen gesetzlichen Regelungen gewartet, sondern sich schon frühzeitig den zu erwartenden Veränderungen durch die neue Krankenhausplanung gestellt. Sie habe Leistungsangebote über ihre Häuser neu sortiert und damit die zukünftigen Versorgungsangebote der Standorte definiert. Das sei ein gutes Vorgehen, "was mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen wird, dass dieses Krankenhausunternehmen auch zukünftig Versorgungsleistungen für die Region in guter Qualität wirtschaftlich erbringen kann. Bei ihrer Umstrukturierung benötigen die Krankenhäuser aber auch die Unterstützung der Kostenträger, da eine veränderte Ausrichtung der Leistungen und der Leistungsvolumina an den einzelnen Standorten auch zu Budgetverschiebungen führt, die den Fixkostendegressionsabschlag oder auch Ausgleiche auslösen können." 

Einvernehmliche Lösungen seien anzustreben mit dem Ziel, den Transformationsprozess auch kostenträgerseitig für ein nachhaltig gutes Ergebnis zu unterstützen.

Roeder sieht eine sich verändernde Rolle der Krankenhäuser in Deutschland: "Der Umfang der stationären Leistungserbringung wird voraussichtlich in den nächsten Jahren sinken, zugunsten einer ambulanten beziehungsweise hybriden Leistungserbringung. Dabei werden auch unterschiedlichste telemedizinische Leistungen eine zunehmende Rolle spielen. Krankenhäuser, die glauben, dass sie sich nicht in den außerstationären Sektoren engagieren müssen, sind schlecht beraten."

Krankenhäuser werden laut Roeder künftig vom Akutkrankenhaus zum integrierten Gesundheitsdienstleister: "Die Funktion von Krankenhäusern wird sich grundlegend wandeln. Sektorübergreifende Versorgungsleistungen nehmen durch zunehmende Ambulantisierung, Hybridisierung und neue Versorgungsformen immer mehr Raum ein. Krankenhäuser müssen sich von ihrer traditionellen Rolle als reine Akutversorger lösen und zu umfassenden Gesundheitsdienstleistern entwickeln, die in allen Versorgungssektoren aktiv sind. Wer diese Transformation verschläft, verliert wirtschaftliche Grundlagen und strategische Relevanz."

Und wie geht es nun weiter mit dem KHVVG? „Es wird voraussichtlich umgesetzt werden“, erläutert Roeder: "Das KHAG wird Nachbesserungen und Ausnahmeregelungen enthalten, die jedoch die grundsätzliche Ausrichtung des KHVVG nicht verändern werden. Der KHAG-Entwurf wurde vom Kabinett beschlossen, ist nun im parlamentarischen Verfahren, weitere Reparaturgesetze sind zu erwarten.“ 

Roeders Fazit: Diese Reform biete viele Chancen für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Gestaltung der Krankenhausversorgung, aber auch Risiken - etwa durch drohende Versorgungslücken oder gesellschaftliche beziehungsweise politische Widerstände. Wichtig sei als Krankenhausunternehmen zu gestalten und künftig auch statt Wettbewerb viel mehr Kooperation: "Regionale Zusammenarbeit wird überlebenswichtig."

Rechtliche Fragen und denkbare Rechtsmittel im Zuge der Krankenhausstrukturreform unter Einschluss des jeweiligen Landesrechts waren das Thema von Prof. Dr. Michael Quaas M.C.L. Er ist renommierter Anwalt für Medizin- und Verwaltungsrecht, Richter a.D. und Honorarprofessor, Autor zahlreicher Veröffentlichungen insbesondere zum Krankenhausrecht, zuletzt Mitherausgeber des Standardwerks „Medizinrecht“. Er stellte anhand praktischer Beispiele und unter Verweis auf die Erfahrungen im Nachbarbundesland Nordrhein-Westfalen die Fallstricke der veränderten Krankenhausplanung dar.

Ulrich Pelster, richtete den Blick abschließend unter anderem auf das Thema ärztliche Aus- und Weiterbildung, "das von Veränderungen im Leistungsspektrum natürlich berührt wird", sagt Pelster: "Diese bestimmt den Umfang des ärztlichen Nachwuchs zur Sicherung der Patientenversorgung in Niedersachsen und damit natürlich auch im Oldenburger Münsterland." Denn nicht mehr jedes Krankenhaus dürfe alle Leistungen anbieten. Es gebe mehr Spezialisierung und Zentralisierung. "Dieser Herausforderung stellen sich die Krankenhäuser der Schwester Euthymia-Stiftung, die insgesamt rund 200 Assistenzärzte beschäftigen. Auch nach der Krankenhausreform werden die Krankenhäuser der Schwester-Euthymia-Stiftung umfassende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zum Facharzt anbieten können", so Pelster: "Das ist durch Verbundkonzepte möglich, teils mithilfe einer planmäßigen Rotation durch die Krankenhäuser." Damit sei gewährleistet, "dass ein junger Arzt bereits mit der Aufnahme seiner Tätigkeit erkennen kann, wann und mit welchen Ausbildungsstationen er im Verbund den Facharztstatus erreichen wird". 

Kontakt

Ansprechpartner

Daniel Meier
Pressearbeit
Krankenhäuser Schwester Euthymia Stiftung

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